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POEMS GROUP 6: CONFICTIO

Category 3: Decertatio

Section Index


  1. Wege
  2. Conditio


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Phil John Kneis:
CONFICTIO - DECERTATIO I:
WEGE
Eichwalde, April 2nd, 1997 - P#50

I.
Verwegene Pfade
Erflehen die Gnade
Des Schicksals und warten.
Schon lange verharrten
Sie, endlos erscheinend
Und sinnlos so leidend.
Die Pforte der Zeit
War noch nicht bereit
Zu lassen sie gehen
Und ihn ja verstehen,
Wes Kind er ja ist.
So denn er vergißt
All' einstiges Denken,
Erliegt fernem Lenken
Und ferner Kontrolle;
Die treibende Scholle
Auf tosenden Fluten
Nur läßt ihn vermuten,
Was liegt noch so fern
Und ist denn der Kern,
Des Rätsels wohl Lösung,
Des Kranken Genesung.

II.
Verweigerte Fragen
Wohl nervend nur nagen
Und kratzen gar heftig
Uns schmecken zu deftig,
Als ließen sie zu
Die winzigste Ruh'-
In aller Verklemmung
Und störender Hemmung
Das Denken doch wartet
Und langsam denn startet
Zu fernen Gefilden.
Das Inn're vertilgen
Die Geister des Zweifels,
Des finstersten Teufels
Und himmlischsten Boten,
Ja, Spuren sie loten
Und suchen nach Fragen
Und wollen gleich haben
Die Antwort auf diese,
Daß gleich denn auch fließe
Des Tages Erleben
In neuestes Streben.

III.
Doch all dieses Drängen
Und stetiges Zwängen
Und Zwänge zerschlagen
Und niemals verzagen
Nicht alles erklärt.
So langsam verzehrt
Die Glut denn im Herzen,
Des Herzens ja Schmerzen,
Den Menschen sodann.
Was, wenn er nur kann
Genügen den Ander'n
Und ständig nur wandern
Auf fertigen Wegen,
Und jeglicher Segen
Verläßt alles Reden
Und einstiges Beten
Und künftiges Tun.
Ist alles denn nun
Vergebens und stirbt,
Für ewig nur wirbt
Um Gnade und fällt
In unserer Welt?

IV.
Denn Wandel ist fern,
Man hört es nicht gern,
Wenn Schande man brachte
Und jeder nur lachte
Ob dieser Verwirrung
Und tiefer Verirrung.
Nichts schmerzlicher ist
Und stärker vermißt
Die Hoffnung allhier.
Das innerste Tier
Erlebt einen Schlag
Und leidet den Tag,
Beherrscht ja das Sein
Und schaffet nur Pein.
Denn ohne Gedanken
Wir würden ja wanken,
Zu Fall kommen stets.
Zu schnell ja vergeht's,
Zu schnell ist's vertan,
Zu schnell schwebt der Wahn
Durch Abschied vom Alten
Und kann zu schnell walten.

V.
So Unrast geboren,
Die Ruhe verloren
Und nie mehr gefunden,
Das Selbst losgebunden
Und schwebend dahin
Zu neuerem Sinn.
Doch findet es ihn?
Wie soll es ja flieh'n,
Wenn alles versperrt,
Wenn alles verzehrt
Und nichts ist geblieben,
Nichts mehr denn zu lieben,
Nichts mehr denn zum Leben,
Nichts ist mehr gegeben?
Das Neue nur winket,
Das Alte versinket,
Das Alte, so schwer,
Es ist doch zu sehr
Ein Hängen an Dingen,
Das alles Gelingen
In uns mag zerstören,
Daß Klagen nur währen.

VI.
Wo bleibet der Halt?
Welch Ruf denn erschallt
Zu helfen uns dann?
Und wer dieses kann?
Das Schicksal ist gnädig
Und ewig ja tätig
Auf ewig Geheiß:
Mit stetigem Fleiß
Zu bauen doch langsam
Ist leider zu mühsam,
Und frühere Träume
Vermissen die Zäume
Und brechen hervor.
Das eiserne Tor,
Das einst sie ja hielt,
Ist fort, und es stiehlt
Die Sicherheit dann,
Es kommet bald an
Und fragt nach dem Sinn
Und nach dem Gewinn,
Doch oft ist der Zweck
Der andere Weg.



PJK
April 10th, 1999







Phil John Kneis:
CONFICTIO - DECERTATIO II:
CONDITIO
Eichwalde, May 24th, 1997 - P#61

I.
In ruhig' Gefilden
Und friedlich' Gebilden
Der Frieden liegt leise
Und ewige Weise
Von neuem zu singen
Und ganz zu erklingen
Versucht - und ertönet.
So alles verschönet
Und alles verkläret,
In allem nun währet
Ein Hauch dieses Traumes,
Des irdischen Raumes,
Des Traumes so ewig
Und während so stetig,
Kein Zweifel ihn töten,
Ja, keine der Nöten
Kann jemals erreichen,
Daß möge er weichen
Und niemals erschallen
Ja hinter den Wallen
Und in den Ruinen
Und feindlichen Linien.

II.
So mag er ja geben
Vor allem den Segen
Der Ruhe und Freude.
Doch dieses Gebäude,
Es bleibt nicht bestehen,
Es kann niemals wehen
In all' unsren Zeiten,
In all' unsrem Streiten
Die Fahne des Sieges,
Der Ton dieses Liedes.
Denn nichts von den Wegen,
Die wir ja betreten,
War ewig verbunden
Mit siegreichen Kunden.
Aus Blut stets geboren
Und kämpfend erkoren
War alles am Ende -
Ein' jegliche Wende
Erkauft stets mit Toten,
Den schreienden Boten
Und schweigenden Zeugen,
Die niemals sich beugen.

III.
Was unsere Taten
In all' unsren Staaten
Ja reinigen würde,
Es hält an der Hürde
Von Glauben und Hoffnung -
Zu geben die Haftung
Für all' unser Streben
Und all' unser Leben:
Ja nie wird's geschehen,
Ja nie wird denn wehen
Die Einheit als Fahne
Vor unserem Kahne,
Der treibt durch die Zeiten.
Nur Er kann bereiten
Am Ende der Tage
Ein Ende der Lage,
Die uns hat gefangen
Und hält uns umfangen
Mit blutigen Händen;
Wir können nichts wenden,
Wir können nur schlichten,
Versuchen zu richten.

IV.
Denn unsere Wege
Woll'n sehen uns rege,
Nicht ruhend, nicht stehend,
Nicht selbst schon vergehend.
Wenn ewig das Drängen
In Fesseln uns zwängen,
In Kriege uns senden
Und seh'n uns verenden;
Dann ist nicht die Beute,
Dann ist nicht das Heute,
Dann ist nicht das Morgen
Vor uns ja verborgen.
Denn ohne zu wehren
Den ständigen Heeren
Des Dunkels und Tiefen,
Die Kriege doch riefen,
Ja soll'n wir nicht leben,
Doch sollen verweben
Die Zukunft in allen,
In kommenden Schallen
Des Liedes des Traumes
Des ewigen Raumes.

V.
Es lohnt nicht zu wanken
Vor drohenden Schranken
Und finsteren Mienen.
Mit brennenden Striemen
Und tosenden Feuern
Und all' Ungeheuern
Sie kämpfen und toben
Und ewig nur loben
Zerstörung und Brände
Und mordende Hände.
Das Sterben des Lichtes,
Des ew'gen Gerichtes,
Ist stets ja ihr Ziel.
Doch ist dies zu viel -
Ihr Scheitern wird kommen
Und wird ja vernommen.
Sie sind ja verloren,
Sie sind nur geboren
Zu zeigen die Wege,
Auf denen gar rege
In allen Getrieben
Der Gegner beschrieben.

VI.
Was ist nun dies Streben,
Dies ewige Geben
Von wechselnden Seiten,
Von Frieden und Streiten?
Ist niemals ein Ende,
Sind niemals die Stände
Und Festen der Zeiten
Zu Ruh' zu verleiten?
Ist all' dieses Drängen
Aus drückenden Zwängen
Und in sie verweben
Und kämpfen dagegen
Am Ende nicht leidig?
Und haben wir's nötig
Zu zeigen den Kleinen
Die Macht, um zu scheinen
Mehr, als wir zu denken
Und auch denn zu lenken
Ja sind in der Lage?
Doch kommen die Tage,
Wo Hochmut wird fallen,
Ja, fallen mit Schallen.



PJK
April 10th, 1999





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